„Stille Nacht“ – schön wäre es gewesen!

Kennenlerntage eine Woche vor Weihnachten – auf so eine Idee können nur Männer kommen, die die Idee, dem Weihnachtstrubel zu entfliehen, großartig finden. Ich als Klassenleiterin fuhr jedenfalls mit sehr gemischten Gefühlen mit meiner W8a3 vom 15. Bis 17. Dezember 2025 nach Miltenberg.

Es kam, wie es kommen musste: Das denkmalgeschützte Gebäude des Jugendhauses St. Kilian ist wunderschön hergerichtet, verfügt über meterhohe Decken und Zimmertüren mit Schnappmechanismen, die mich bereits nach zehn Minuten in den Wahnsinn trieben: Jedes Mal, wenn ein Schüler sein Zimmer verließ, bebte das ganze Haus – und das taten die ständig! Drei Tage lang predigte ich den Gebrauch von Türklinken (ohnehin ein Lieblingsthema von mir, danke, Herr Schadt) und nach und nach wurde es etwas besser. Das Gute ist: In diesem Haus kann niemand nachts heimlich das Zimmer verlassen, ohne dass Lehrkraft (also ich) das merkt. Das Schlechte ist: Der ein oder andere versuchte es trotzdem. Es wurden also kurze Nächte.

Die Tage allerdings waren durchaus interessant: In insgesamt vier Sitzungen arbeiteten die Teamerinnen Paula und Paula (es war für die Jugendlichen nicht schwierig, sich die Namen zu merken) auf spielerische Weise an Gruppengefühl, Gemeinschaftsempfinden, gegenseitigem Kennenlernen. Hier waren die Lehrkräfte ausgeschlossen, daher kann ich mich nur auf die mir gegebenen Rückmeldungen verlassen: Der erste Tag war wohl noch schwierig, daher wurden am zweiten Tag alle Handys, die vorher für Ablenkung gesorgt hatten, im Zimmer der leitenden Lehrkraft (also mir) abgelegt und erst abends herausgegeben. Ich hätte vorher erwähnen sollen, dass die Handys auszuschalten seien – andererseits war es auch interessant zu sehen, wie viele Nachrichten auf dem ein oder anderen Gerät im Laufe eines Tages so eingehen… Ein Hinweis an alle Eltern: Es schadet nichts, da gelegentlich einen Blick zu werfen. Für die Kinder ist es viel schwieriger, sich zu kontrollieren.

Bleibt noch die Abendgestaltung zu erwähnen: Am Montag blieben wir auf dem Gelände und suchten den sogenannten „Irish Pub“ (völlig ohne Guinness, keine Sorge) auf. Mit Werwolf, Tischkickern und Klavieruntermalung durch Luise, Leon und Herrn Soban wurde es ein unterhaltsamer Abend. Den Dienstagabend nutzten wir für einen Stadtspaziergang durch die mittelalterliche Innenstadt von Miltenberg mit einem Zwischenstopp im Biergarten „Löwenbräustüble“ und Saftschorle. Auch dieser Abend wurde gemeinhin als Erfolg gewertet.

Die abendlichen Zimmerbesuche und die Rückfahrt habe ich als „Klassenmama“ dazu genutzt, von allen Jugendlichen Rückmeldung zu erhalten und kann als Fazit festhalten: Das Essen war gut, die Kurse waren anstrengend, aber aufschlussreich und die Klasse ist (auch mit mehreren später hinzugekommenen Schülerinnen) zu einer Einheit zusammengewachsen, die ohne diese drei Tage wohl nicht entstanden wäre.

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